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Adolph Kolping - Biografie

27. Oktober 1991, auf dem Petersplatz in Rom drängen sich etwa 50.000 Menschen. Sie alle wollen bei einer Seligsprechung dabei sein. Die Bedingungen, um vom Papst selig gesprochen zu werden, sind klar: Es braucht ein Wunder, welches durch die Fürsprache des Verstorbenen geschieht. Da dies alleine schwer feststellbar ist, muss der Tote auch noch ein vorbildliches Leben geführt und/oder einen Märtyrertod gestorben sein.

Die Teilnehmer an der Seligsprechungsfeier sind gekommen um einen Menschen zu würdigen, der in seinem Leben Gott und den Menschen gedient hat:

Adolph Kolping wurde am 8. Dezember 1813 in Kerpen (Kleinstadt nahe Köln) als viertes von fünf Kindern geboren. Als Rheinländer war er damals ein gebürtiger Franzose, bis zum Rückzug Napoleons nach der verlorenen Völkerschlacht 1813. Kolpings Eltern waren schlichte und tiefreligiöse Menschen. Der Vater war Schäfer und hütete die Schafe des Großgrundbesitzers vom Mellerhof. 1819 begann für Kolping die Volksschulzeit. Im Alter von 13 Jahren trat er nach Ostern 1926 die Lehre als Schuhmacher an, da seine Familie für weitere Bildung keine Mittel hatte. Drei Jahre später legte er mit gutem Zeugnis die Gesellenprüfung ab. Kolping arbeitete einige Jahre in den verschiedensten Werkstätten in der Umgebung von Kerpen. Er bezeichnete die Situation der Handwerker, die sich als Folge der Zunftauflösung verschlimmert hatte, als unerträglich. Wohnten Gesellen früher in dem Haus des Handwerkmeisters, so wurden nun Wirtshäuser, die Straße und einfache Herbergen zu deren zentralen Treffpunkten. In Anbetracht dieser Situation wuchs in Kolping der Wunsch Priester zu werden und etwas an den Zuständen zu verbessern. Allerdings zögerte er, seinen Meister zu verlassen, da dieser für ihn wie ein Vater war und er zusammen mit dessen Tochter und Frau als Familienmitglied zählte. Auf seltsame Weise kam Kolping aus dieser Lage heraus. Schwere Arbeit, Nachtwachen bei kranken Gesellen, die er meist bis zum Tod pflegte und sein ruheloser Gemütszustand führten zu einer schweren Krankheit Anfang 1836. Als der Arzt ihm das Arbeiten verbot, sah er dies als Zeichen Gottes und ging nach Hause zu seiner Familie.

In Kerpen erhielt er von Pfarrer Lauffs Nachhilfeunterricht und besuchte im Oktober 1837 das Marzellengymnasium in Köln. Hier saß er als 24- jähriger mit 12- und 13- jährigen auf der Schulbank. Sorge bereitet ihm die Finanzierung seines Studiums, da er von seiner Familie nicht gefördert werden konnte. So blieb ihm nichts anderes übrig, als tagsüber Nachhilfe zu geben und nachts seine eigenen Aufgaben zu erledigen. Diese hohe Belastung führte in den darauffolgenden Jahren 38/39 zu schweren Krankheiten und Bluthusten. Aus seinen Tagebucheinträgen geht hervor, dass er Todesängste hatte. Gegen Ende seiner Gymnasiumszeit löste sich das Problem mit der Finanzierung seines Studiums. Im Winter wird Kolping zu einem Sterbenden gerufen. An dessen Bett war die Tochter des Gutsbesitzers vom Mellerhof, wo sein Vater als Schäfer arbeitete. Er versprach der Tochter für den Kranken zu sorgen. Wenige Wochen vor seinem Abitur suchte sie ihn in Kerpen auf. Sie erklärte Kolping, dass der Sterbende ein ehemaliger Theologiestudent war. Er habe wegen Trunkenheit aufgehört zu studieren und wurde schließlich Hauslehrer auf dem Mellerhof. Da sie eine tiefe Zuneigung für den Kranken empfand, hatte sie bei einem Wegekreuz geschworen, einem armen Theologiestundenten als Sühne für den Toten, das Studium zu bezahlen. Kolping bat um drei Wochen Bedenkzeit und stimmte dann zu. Ostern 1841 erhielt Kolping nach dreieinhalb Jahren Gymnasium das Zeugnis der Reife und war nun nicht nur gebildet sondern auch religiös gereift.

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Adolf Kolping studierte von Mai 1841 bis Juli 1842 in München Theologie und belegte die letzten drei Semester in Bonn. Hier fand er in Professor Dieringer einen langfristigen Freund und Förderer. Am 20. März 1844 legte Kolping sein Schlussexamen in Bonn ab und trat gleich nach Ostern in das Kölner Priesterseminar ein. Er wird als sehr gut beurteilt, wobei auch hier schon seine angegriffene Gesundheit erwähnt wird. Am 13. April 1845 wurde Kolping in der Minoritenkirche (seiner heutigen Grabeskirche) zum Priester geweiht. An diesem Tag erfährt er vor dem Betreten der Kirche von seinem Bruder Wilhelm und seiner Schwester Katharina, dass sein Vater in der Nacht zum 13. April gestorben ist. Seine erste Wirkungsstätte als Kaplan war die St. Laurentius-Kirche in Wuppertal-Elberfeld ab Ostern 1845. Am 28. Juni wurde er Lehrer am dortigen Gymnasium. Er freundete sich mit einigen Handwerksgesellen an, welche die Laurentius-Prozession durch einer Fahne verschönern wollten. Kolping besorgte ihnen den Kontakt zu einem befreundeten Maler. In ihrer Freizeit übten sie in einer Schreinerwerkstatt Lieder für die Prozession. Der Lehrer Johann Gregor Breuer nahm sich dieser Gruppe an und nannte sie "Gesellenverein". Am 6. November 1846 kam es zur ersten Vorstandswahl. So entstand der erste katholische Gesellenverein.

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Am 15.3.1849 kam Kolping als Domvikar nach Köln, so wie er es vom Erzbischof erbeten hatte. Seine Arbeit begann am 1. April. Von dieser bedeutenden Stadt aus wollte er die Idee der katholischen Gesellenverbänden verbreiten. Am 6. Mai gründet er mit Unterstützung des Religionslehrers Dr. Vosen und des Kaplans Necker den Kölner Gesellenverband mit sieben weiteren Gesellen. Die Zahl der Mitglieder stieg rasch. Da bald alle Lokale zu klein waren, beschloss er, ein Vereinshaus zu kaufen. Die 14200 Gulden, die er für das "Lendersche Haus" benötigte, erbettelte er.

Des Weiteren betätigte er sich auch als Schriftsteller, was seine Sozialkritik deutschlandweit bekannt machte. Hierbei nutzte er die "Rheinischen Volksblätter" und einen Volkskalender, den er unter dem Namen "Dr. Fliederstrauch" herausgab. (So konnte er nach seinem Tod 10.000 Taler, die er durch seinen schriftstellerischen Erfolg und seiner persönlichen Anspruchslosigkeit zusammengespart hatte, dem Gesellenverein vermachen. ) Im Herbst 1851 hielt Kolping auf dem Vorläufer des Katholikentags, der Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands, eine Rede, welche die Ausbreitung der Gesellenvereine beschleunigen sollte. Bis 1863 unternahm Kolping Reisen, um den Gedanken der Gesellenvereine zu verbreiten und andere Ortsgruppen zu gründen. Zudem war er von 1.1.1862 an Rektor der Minoritenkirche. Am 22.4.1862 wurde Kolping die Ehre zuteil, zum päpstlichen Geheimkämmerer ernannt zu werden. Neben der Anerkennung von Papst Pius IX bekam er von diesem auch ein Gewand aus seiner Privatkapelle.

Aber seine Aufopferung blieb nicht ohne Folgen: Um seine Gesundheit wiederherzustellen, machte Kolping nach schwerer Krankheit im Sommer 1865 ein Erholungsurlaub im Seebad Ostende. Scheinbar vollkommen genesen besuchte Kolping am 10. und 12. September die Generalversammlung der katholischen Vereine in Trier. Doch musste er wegen seiner angeschlagenen Gesundheit vorzeitig aus Trier zurückkehren. In der Nacht vom 16. bis 17. September hatte er einen so heftigen Anfall, dass er dem zu Hilfe kommenden Vizepräses Flücken entgegenrief, er verbrenne fast. Als am 17 . September die Einweihung des Erweiterungsbaus des Gesellenhauses stattfand, konnte Kolping nur mit großen Mühen zum letzten Mal öffentlich sprechen. Nach diesem Fest waren die Schmerzen so groß, dass er zeitweise das Bewusstsein verlor. Bald darauf bat er Vizepräses Flücken um das Sterbesakrament. Trotz allabendlicher Gebete Tausender inner- und außerhalb Kölns wurde sein Gesundheitszustand schlimmer. In seinen letzten Tagen konnte Kolping wegen Asthmaanfällen nicht mehr liegen. Aus diesem Grund baute man ihm eine Stütze und legte seinen Kopf ,der die Brust nicht berühren durfte, auf einen Tisch, der mit Kissen voll gepackt war. Als gegen Ende auch dies nichts mehr half, saß er aufrecht, die Arme an den Stuhl gebunden und ersehnte den Tod. Am Tag vor seinem Tod waren seine letzten Worte, die er zu seinem Bruder sagte, dem er ein Kreuz aus Rom gab: "Dies schenkt ich dir, wehr dich damit!" Am 4. Dezember 1865 wurde Adolf Kolping von seinem Leiden erlöst.

In seinem Leben gab er sich mit einer solchen Kraft der Nachfolge Christi hin, dass er erkrankte und starb. Sein Tod ist deshalb fast vergleichbar mit einem Märtyrertod. Am 30.4.1866 wurde, nachdem der König von Preußen Kolpings Wunsch in der Minoritenkirche beerdigt zu werden, erfüllte, seine Leiche vom Friedhof Melaten in die jetzige Ruhestätte überführt.






Seligsprechung oder Beatifikation (lat.: beatus "glücklich, selig", facere "machen, tun") nennt man nach dem Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche die feierliche Erklärung, dass ein verstorbener Christ von Gott in die Schar der Heiligen bzw. Seligen aufgenommen wird. Im Unterschied zur Heiligsprechung wird durch die Seligsprechung jedoch nur eine lokale öffentliche Verehrung dieser Personen gestattet. Diese Praxis der Seligsprechung wird bei Menschen angewandt, die ein besonders vorbildhaftes Leben geführt haben oder einen Märtyrertod starben. Bereits Jesus pries zu seiner Lebzeit Menschen als selig.

Die Bitte, Kolping für seine Taten selig zu sprechen, kam schon im Jahr 1906 auf. Am 8. August verfasste der damalige Erzbischof von Wien Anton Joseph Kardinal Gruscha ein Bittgesuch an den Kölner Erzbischof Kardinal Fischer, dieser hielt die Zeit jedoch noch nicht für passend, es fehlte noch ein Wunder.

Am 4.01.1926 nahm sich der Generalpräses des Kolpingwerks Theodor Hürth der Vorarbeiten zur Seligsprechung an. Er wandte sich dabei auch an den Kölner Bischof Karl-Josef Kardinal Schulte. Dieser rief am 13.02. 1929 in einem kirchlichen Anzeiger des Erzbistums Köln dazu auf, Material für den Seligsprechungsprozess zur Verfügung zu stellen. Ab dem 3.12.1933 gab es Petitonsbücher für die Seligsprechung, die bei der offiziellen Eröffnung des Seligsprechungsprozesses 1934 bereits 25.000 Unterschriften hatte. Der Seligsprechungsprozess kam allerdings unter dem Naziregime zum erliegen. Dass 1938 schon 310.000 Menschen die Petitonslisten unterschrieben hatten, zeigte die Bedeutung von Kolping für die Katholiken der Region. Allerdings ging der Wunsch von Papst Pius XI., die Seligsprechung selbst vorzunehmen, nicht in Erfüllung, da er 1939 starb. Ebenso war es ein Rückschlag, dass sowohl Kardinal Schulte (1941) als auch Theodor Hürth (1944) während des 2. Weltkriegs starben. Auch der neue Bischof Josef Kardinal Frings, bekannt durch die Kritik an der Judenverfolgung, die er als "himmelschreiendes Unrecht" bezeichnete, aber wegen seiner Popularität unbehelligt blieb, unterstützte das Anliegen. Er verewigte sich in der deutschen Sprache mit dem Begriff "fringsen", eine Anspielung darauf, dass er es in seiner Sylvesteransprache als Recht bezeichnete, sich das Lebensnotwendige zu nehmen (z.B. Nahrungs- und Kohlediebstahl). Kardinal Frings, der noch kurz von Hürth bezüglich der Seligsprechung eingearbeitet werden konnte, trieb nach Kriegsende das Verfahren mit den eng begrenzten Finanzmittel voran. Der am 10.10.1950 in Rom eröffnete Informationsprozess scheiterte, da die Prozessunterlagen nicht den Anforderungen der Ritenkongregation entsprachen.

Am 8.11.1972 begann der neue Kölner Bischof Joseph Kardinal Höffner, im Amt seit 1969, den Seligsprechungsprozess erneut und setzte eine Kommission dazu ein. Mit dem Zusammentragen von Beurteilungen und Quellen beauftragte er Dr. Joachim Kracht (Archivoberrat am Historischen Archiv des Erzbistums Köln). Bereits bei seinem Deutschlandbesuch am 15.11.1980 sagte Papst Johannes Paul II. am Grab Kolpings in der Minoritenkirche: "Solche Leitbilder wie Adolph Kolping brauchen wir für die Kirche von heute." Am 6. Oktober 1986 konnte Generalpräses Festing die ins Italienische übersetzten Akten an den Präfekten der Kongregation Kardinal Pietro Palazzini übergeben. Nun konnten die Historiker und Theologen, welche von der Kongregation bestellt waren, mit dem Studium der 900 Seiten beginnen. Am 18.4.1989 wurde dieser Vorgang mit positiven Urteil abgeschlossen und am 13. Mai gab Papst Johannes Paul II. die vom ihm gebilligte Entscheidung öffentlich bekannt.

Der letzte noch fehlende Schritt zur Seligsprechung war der Wunderprozess (eine Gebetserhörung, welche auf die Fürsprache der Person zurückzuführen ist). Hierfür wurden zwei Heilungsfälle herangezogen: nach einem schweren Unfall und einer schweren Krankheit. Nach dem Gebet zu Adolph Kolping trat in beiden Fällen eine schnell Genesung ein. Diese Wunder wurden der Fürbitte von Kolping zugeschrieben. Noch bevor der Wunderprozess begann, hatte Kardinal Höffner eine Ärztekommission unter der Leitung von Pater Prof. Dr. Paul Zepp SVD zur Überprüfung der Heilungsberichte eingesetzt. Für diese Kommission konnten international anerkannte Wissenschaftler gewonnen werden. Nachdem die diözesane Kommission von diesen Wunder überzeugt war, schickten sie ihre Unterlagen nach Rom. Hier erkannten am 24.Januar 1990 die fünf Mitglieder des Ärztegremiums das Wunder einstimmig an. Zitat: "Die extrem rasche, vollständige und dauerhafte Heilung ist aufgrund unserer wissenschaftlichen Kenntnisse nicht erklärbar." In der Sitzung "super miro" (über das Wunder) vom 18. Mai hat die Theologenkommission den Zusammenhang zwischen den Anrufen zu Adolph Kolping und den Heilungen erklärt. Dieses Urteil wurde am 23. Oktober 1990 von der Kardinalskommission in Rom bestätigt.

Mit der Bestätigung und Unterschrift des Dekretes über den Wunderprozess am 22.1.1991 durch den Papst Johannes Paul II. wurde der Prozess der Seligsprechung abgeschlossen. Als Termin für die Seligsprechungsfeier wurde Sonntag, der 27. Oktober 1991 festgelegt.

Am 26.10. bildete die Lichterfeier vor der Lateranbasilika in Rom die Eröffnung der Veranstaltungen bezüglich der Seligsprechung, welche u.a. im Petersdom, den Patrichalbasiliken St.Giovanni in Lateran, Santa Maria Maggiore, St. Paul vor den Mauern sowie den Pilgerkirchen San Andradella Valle, San Anselmo und San Ignazio stattfanden. Die Anzahl der Teilnehmer bei den Veranstaltungen zur Seligsprechung Kolpings durch Johannes Paul II. wird mit 30.000 angegeben, zudem kamen zur Seligsprechungsmesse noch zusätzlich 20.000 Pilger . Zu den Ehrengästen gehörten unter anderen Bundstagspräsidentin Rita Süssmuth, Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, der deutsche Botschafter beim Vatikan Hallier, Ministerpräsident Teufel, die Landtagspräsidenten Iltgen und Prachtl und Österreichs Außenminister Mock. Einige Vertreter von Politik, Kolpingwerk und Kirche trafen sich danach noch bei einem Empfang des deutschen Botschafters im Vatikan. Am 31.10.1991 konnte das Organisationsbüro für die Seligsprechung seine Arbeit beenden.