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Kolpingwerk

Man könnte zwei Daten nennen, wenn man nach der Gründung des Kolpingwerks fragt.

Das erste ist der 6. November 1846. Der erste katholische Gesellenverein wurde an diesem Tag in Elberfeld von Lehrer Johan Gregor Breuer gegründet. Dieser bestand aus einigen Handwerksgesellen, welche die Laurentius-Prozession durch eine Fahne verschönern wollten. Kolping besorgte ihnen diese durch den Kontakt zu einem befreundeten Maler. In ihrer Freizeit übten sie in einer Schreinerwerkstatt Lieder für die Prozession. Kolping konnte diesen Ansatz unterstützen und die geistliche Begleitung des Gesellenvereins verstärken. Er selbst sah das nicht als Menschenwerk sondern als Werk Gottes. Im Juni 1847 wurde er zum Präses dieses Verbandes gewählt. Er erkannte, dass der Gesellenverband über die Grenzen von Elberfeld hinaus eine Mission hatte, die religiös und sozial war und ist. Er wusste, dass die Verbreitung des Gesellenvereins nicht von dort, sondern nur von einer bedeutenden Stadt ausgehen konnte. Als Priester des Erzbistums Köln kam deshalb nur die Bischofsstadt in Frage. Nach mehreren, mangels freier Stellen gescheiterten Anträgen, kam er am 15.3.1849 nach Köln als Domvikar an die Hohe Domkirche. In seiner Abschiedsrede in Elberfeld verriet er seine Absicht, in Köln ein Vaterhaus für Gesellen zu gründen.

Am 6. Mai 1849 sind die Straßen in Köln schwarz vor lauter Menschen. Fabrikarbeiter, Handwerksburschen, ausgemergelte Erwerbslose und ein paar Studenten strömten zu einem Mann, welcher ihre Wut zusammenfasste und bündelte. Dieser Mann fasst ihre Meinung über die zu riesige Kluft von Arm und Reich zusammen, den Zorn, den sie wegen ihrer schlimmen Lebensumständen hatten, während wenige Reiche durch ihre Arbeit ein Leben in Saus und Braus führten. Der Name dieses Mannes war Karl Marx, Chefredakteur der "Neuen Rheinischen Zeitung". In seiner Rede wetterte er gegen die Fabrikbesitzer und Industriechefs. Er prangerte die immer größer werdende Schere zwischen Armen und Reichen an. Er bezeichnete die Arbeiter als Sklaven ihrer Fabrikherren, als Ware und Sache, welche als Arbeitsinstrument, nach Alter und Geschlecht unterteilt, verschiedene Kosten verursachten. Er fuhr fort und sagte, dass der Arbeiter nur für den Profit der Glücklichen, welche seine Arbeitskraft gekauft hatten, arbeitete. Er sprach von der kommunistischen Revolution, welche die herrschenden Klassen erschüttern sollte. Am selben Abend hält Adolph Kolping ein paar Straßen weiter eine Rede vor sieben Leuten, welche sich in der Kolumbaschule zusammengefunden hatten. Mit ruhiger Stimme begann er den Zuhören seine Auffassung über die Themen, die wenige Straßen entfernt Karl Marx mit aggressivem Ton anprangert, zu erklären. Er spricht mit Bedacht über die Industrie, welche nur noch kalter Egoismus ist. Die Inhaber haben noch nie für ihr Essen hart arbeiten müssen, da dies ihr Kapital übernimmt, fährt er fort. Der Mensch sei ein geknechtetes und erniedrigtes Wesen. Kolping hält den "alten, guten, katholischen Christenglauben" für die Lösung. Er gründet an diesem Abend den Kölner Gesellenverein, der bis heute im Kolpingwerk fortbesteht.

An jenem Abend trafen in Köln zwei Weltanschauungen aufeinander, welche beide Geschichte machen sollten.





Zu Beginn des Kolpingwerkes gab es 7 Mitglieder, die bei der Gründungsversammlung anwesend waren. Bereits am 1. Januar 1850 (etwa ein halbes Jahr nach der Gründung) hatte der Kölner Gesellenverein 550 Mitglieder. Bis zu Kolpings Tod gab es 24.600 Mitglieder.

In 10-Jahres-Schritten stieg die Mitgliederzahl auf ca. 29.000 , 38.000, 55.000, 72.000 und erreichte 1912 die Marke von 84.000.

Als erste Maßnahme, um den Tod Adolph Kolpings zu bewältigen und seinen Weg weiterzugehen, wurde am 18. Februar 1866 ein Nachfolger gewählt. Die Wahl fiel eindeutig aus: der Trierer Religionslehrer Sebastian Georg Schäffer wurde ohne Gegenstimmen zum ersten Nachfolger Adolph Kolpings bestimmt und nahm am 9. April 1866 die Wahl an. In seine Zeit als Generalpräses trafen einige gefährliche Entwicklungen das Kolpingwerk, namentlich die Bruderkriege Preußens gegen Österreich und Bismarcks "Kulturkampf", mit dem er die katholische Kirche in Deutschland als politische und gesellschaftliche Macht ausschalten wollte.

Unter der Leitung von Generalpräses Schäffer und der tatkräftigen Mithilfe verschiedener Zentralpräsides in den einzelnen Ländern, der Präsides der einzelnen Vereine und vieler weiterer Mitglieder und Helfer entwickelte sich das Kolpingwerk dennoch ständig weiter, auch nach dem Tode Kolpings. Verschiedene Dinge sind hierfür bezeichnend: die Bildungsarbeit in den einzelnen Gesellenvereinen, die verschiedenen Kranken- und Sparkassen, die später zu Zentralkassen zusammengeführt wurden, die ständige Erweiterung des Kolpingwerkes, neue Mitglieder, Vereine und sogar die Ausweitung in andere Länder, sowie die zunehmende Beschäftigung mit Sozialpolitik und Sozialförderung.

Den Anstoß zum Aufbau von Krankenkassen gab Kolping selbst und zwar im Anhang des 1850 beschlossenen Statutes des Kölner Gesellenvereines. Darin heißt es unter §1: "Jedes Mitglied des Kölner Vereines ist verpflichtet, der mit dem Vereine verbundenen Krankenkasse beizutreten." Weiterhin lautet §7: "Jedes Mitglied, welches volle 6 Monate, vom Tag der Aufnahme an gerechnet, dem Vereine angehört, hat im Erkrankungsfall Anspruch auf Unterstützung." Nach diesen Regeln wurden im gesamten Gebiet der Gesellenvereine Krankenkassen eingerichtet, vor allem nach einer Resolution, die aus einer Generalversammlung der Präsides am 22. Januar 1870 in Köln hervorging: "Die Generalversammlung empfiehlt dringend die Gründung von Kranken- und Altersversorgungskassen für arbeitsunfähig gewordene Gesellen." Die Kassen wurden 1909 in Köln zur Zentralkrankenkasse zusammengeführt.

Generalpräses Schäffer verstarb am 16. November 1901. Zu seinem Nachfolger wurde am 4. Dezember 1901 der bisherige Kölner Vizepräses, Franz Hubert Schweitzer, gewählt. Unter seiner Leitung entstanden vor allem festere Organisationsstrukturen, so der Generalrat und das Generalsekretäriat, in dem hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt waren und das sich um die Verwaltung des Gesellenvereines kümmerte. Die für den Gesellenverein erfreulichen Entwicklungen wie der Anstieg der Mitgliederzahlen wurden jedoch durch den Ersten Weltkrieg jäh unterbrochen. Die erst wieder nach dem 2. Weltkrieg nachvollziehbaren Entwicklungen der Mitgliederzahlen in Deutschland beginnen 1955 und werden mit 195.215 angegeben. Die Anzahl der Mitglieder steigt jährlich auf 215.672 im Jahr 1961. Von 1962 bis 1972 sank die Anzahl der Mitglieder auf 185.097. Bis 2001 stieg sie wieder auf 276323 Mitglieder, ist jedoch seitdem rückläufig.

Die Mitgliederzahlen bei Kolping zeigen, dass der Verband sich die Jahre hindurch zu einem der größten katholischen Verbände in Deutschland entwickeln konnte. Auch wenn die Mitgliederzahl seit 2001 rückläufig ist, kann man nicht von einem Niedergang des Kolpingwerkes sprechen, sondern von einer Umschichtung. Während einige kleinere Kolpingsfamilien aufgelöst werden, sind in anderen die Mitgliederzahlen steigend. Man könnt also auch von einer Zentralisierung des Kolpingwerkes sprechen. Zugleich kann aus den sinkenden Mitgliederzahlen auch etwas positives abgelesen werden: Die sozialen Bedingungen in Deutschland haben sich teilweise verbessert. Der Staat übernimmt nun Aufgaben, welche er zu Lebzeiten von Adolph Kolping ignorierte. Aus der freien Marktwirtschaft wurde die soziale Marktwirtschaft. Auch gibt's es mehrere Sicherheitsmechanismen, welche es früher nicht gab z.B. Sozialhilfe, Wohngeld und Elterngeld. Während bei der Gründung des Gesellenvereines noch häufig die Verbesserung der eigenen Lebensbedingungen im Vordergrund stand, ist dies heute nicht mehr nötig. Menschen, die sich in jüngster Zeit für eine Mitgliedschaft entscheiden, tun dies aus dem Willen heraus, anderen zu helfen.

In Entwicklungsländern, in denen es keine staatliche Unterstützung wie in Deutschland gibt und dies über das Kolpingwerk geregelt wird, sind die Mitgliederzahlen steigend







Es ist nicht verwunderlich, dass während der beiden großen Diktaturen in Deutschland der Staat versuchte, das Kolpingwerk zu stoppen. War doch das Kolpingwerk dafür bekannt, einen Einfluss auf die Bevölkerung zu nehmen! Das Kolpingwerk plädierte stets für eine soziale, nicht sozialistische oder nationalsozialistische Gesellschaft und stand deshalb im Widerspruch zu den jeweiligen Regierungen.

Die erste Diktatur, die das Kolpingwerk zu überstehen hatte, war die der NSDAP im Dritten Reich. Schon früh war klar, dass dies eine Gradwanderung zwischen politischem Engagement und der Gefahr des Verbots war. Das lag zum Teil an der Angst der Nationalsozialisten vor einem so großen unabhängigen Verein. Am 15. März 1933 verkündete daher der Generalsekretär Dr. Nattermann im Kolpingblatt: "Wir bauen mit". Der Kerngedanke dieser Parole war, dass das Kolpingwerk keinen offenen Widerstand leistete. Zugleich stand in der Ausgabe aber auch, dass das Reich ein Hort der Freiheit und Gerechtigkeit sein muss. Auch bedarf es dazu der freiwillige Zustimmung des deutschen Volkes und Gottes Segen. Jedoch kam es bereits beim 1. Deutschen Gesellentag in München 1933 zu Auseinandersetzungen, obwohl Hitler als "Mann göttlicher Vorsehung" bezeichnet wurde, um nicht mit dem Staat in Konflikt zu geraten. Knapp eine Woche vor dem Beginn des Geselltages gab es ein Verbot für die Veranstaltung. Aufgrund der Bemühungen des Vizekanzler Franz von Papen, welcher selbst als Redner mitwirken sollte, und des Münchner Kardinals Faulhaber konnte jedoch die bayrische Staatsregierung nach einer stürmischen Auseinandersetzung dazu gebracht werden, die Veranstaltung zu erlauben. Dies kann als kleiner Sieg des Kolpingwerkes über die Nationalsozialisten gesehen werden. Die Teilnehmer mussten stark aufpassen, dass niemand negativ auffiel. Auch geschlossene Gruppenmärsche auf der Straße sollten sie unterlassen.. Provokationen gab es jedoch von Seiten der Nationalsozialisten wie zum Beispiel Gewalt, Raub und Zerstörung von Bannern, das Abreißen von Abzeichen und das Zerstören von Transparenten am Gesellenhaus. Dennoch bewahrten die Teilnehmer Ruhe und die Beherrschung. Ein Uniformverbot, welches abends von der Polizei verkündet wurde, traf die Bannerabteilung des Gesellenverbands ebenfalls hart. Am nächsten Tag wurde die einzige verbliebene Alternative getroffen, um die Gesellen zu schützen: Die vorzeitige Heimreise, weswegen die Abfahrt der 11 Sonderzüge vorverlegt wurde. Als einzig positiver Punkt lässt sich sagen, dass den Teilnehmern, aber auch Abordnungen aus anderen Ländern, der Schrecken des Nationalsozialismus klar wurde und das weltweite Zusammengehörigkeitsgefühl aller Kolpingmitglieder verstärkt wurde.

Eine leichte Entspannung der Situation gab es, als Hitler die Zwangsmaßnahmen, welche er zuvor über den Gesellenverein verhängt hatte, aufgrund des Konkordats mit der katholischen Kirche vom 20. Juli 1933, zurücknahm. Diese Entwicklung stimmte Dr. Nattermann so optimistisch, dass er bei einer Wallfahrt des Gesellenverbands in Trier sagte: "Wenn man uns in unserer Arbeit gelten lässt, dann fällt der ursprüngliche Gegensatz zwischen dem Kolpingsohn und dem Gefolgsmann Adolf Hitlers weg". Jedoch zeigte sich schon bald, dass die Nationalsozialisten die Abmachung mit der Kirche nicht ernst nahmen. Es kam zu weiteren Schikanen gegen den Gesellenverein. Besonders hart traf den Gesellenverein das Verbot der Doppelmitgliedschaft, das Baldur von Schirach am 29.06.1933 erließ. Demnach konnten Jugendliche nicht zugleich Mitglied in einem katholischem Verein und der Hitlerjugend sein und Erwachsene nicht im Gesellenverein und in der Deutschen Arbeitsfront. Um diesen und weiteren Problemen zu entgehen, benannten sie den Verband in der Zentralversammlung am 18.-19. September 1933 von "Katholischer Gesellenverein" in "Deutsche Kolpingsfamilie" um. Auch wurden nun Gruppen innerhalb des Kolpingwerkes gegründet. Die "Gruppe Kolping" war für alle Gesellen im Verband zuständig. Selbständige Altmitglieder waren in der "Meistergruppe" organisiert und nichtselbstständige Altmitglieder gehörten der "Gruppe Altkolping" an. Nun öffnete sich der Verband auch für ältere und verheiratete Handwerker. Es bildete sich der generationenübergreifende Verband, den es heute noch gibt. Trotz dieser Umstrukturierung wurde die Arbeit des Kolpingwerkes immer schwerer. Die vollständige Lähmung des Kolpingwerkes wurde mit einem Erlass von Himmler erreicht. In diesem Erlass wurde den konfessionellen Vereinen jede Betätigung, die nicht rein kirchlich war, verboten. Zudem konnten die Sicherheitsbehörden nun auch leichter Vereinsverbote aussprechen. Der Staat begann im großen Stil mit den Verboten von Kolpingsfamilien. Die Gründe hierfür sind nicht sehr glaubwürdig. In Kübelberg (Pfalz) wurde eine Kolpingsfamilie verboten, weil sie den Gruß "Treu Kolping" anstatt "Heil Hitler" verwendete. Ein Verbot der Kolpingsfamilie in Fulda wurde damit begründet, dass der Präses mit den Kolpingmitgliedern Fußball spielte, was eine nicht genehmigte "weltliche Veranstaltung war. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Kolpingwerk, obwohl es versuchte jede Konfrontation zu vermeiden, stark in Mitleidenschaft durch den Nationalsozialismus gezogen wurde. Die Anzahl der Mitglieder sank weltweit von ca.150.000 auf 30-40.000. Jedoch hat diese Zeit bis zum 2. Weltkrieg dem Kolpingwerk auch eine große Chance eröffnet. Durch die Umstrukturierungen, die erfolgt waren, um sich den Machenschaften der Diktatur zu entziehen und überleben zu können, wurde aus einem Gesellenverein eine Organisation, die bis heute offen ist für alle Menschen, die aktiv die Gesellschaft mitgestalten. Man könnte das Kolpingwerk als eine Art Phönix bezeichnen, der aus dem Schutt und der Asche des Zweiten Weltkrieges wiederauferstand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich ein Teil des deutschen Kolpingwerkes frei entfalten. Für den anderen Teil begann eine zweite Diktatur. In der DDR gab es zwar offiziell Religionsfreiheit, allerdings wurde ein katholischer Verband mit Skepsis betrachte, da man ihn als potenzielles Sammelbecken für christliche Staatsfeinde sah. Bereits ab 1950 wird das Kolpingwerk durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) beobachtet. Im Lehrmaterial des MfS wird das Kolpingwerk als Spinne dargestellt, die mit dem Papst in der Mitte ihr weltweites Netz spinnt und in jedem Ort der DDR eine Kolpingsfamilie gründen will. Das Kolpingwerk wurde in den obersten Ebenen bespitzelt. Heinrich Schmietzek, der die erste Anlaufstelle für westdeutsche Besucher war und sogar das goldene Kolping-Ehrenzeichen besaß, war in Wahrheit ein inoffizieller Mitarbeiter der Stasi mit dem Decknamen "Schramm". Dass er für den damaligen Generalpräses des Internationale Kolpingwerkes eine Vertrauensperson war, nutzte er aus, um Informationen über das Kolpingwerks zu sammeln. Doch systematische Bespitzelung durch die Stasi war nicht die einzige Art der staatlichen Unterdrückung. Das Ministerium für Staatsicherheit brachte auch Fotomontagen in Umlauf, auf denen Pfarrer Festing, der Generalpräses des Internationalen Kolpingwerkes, beim Geschlechtsverkehr zu sehen ist (was für einen katholischen Priester verboten ist). Dies trug die Aufschrift: "Seht, dass ist euer Boss". Trotz dieser und ähnlicher Schikanen schaffte es die DDR nicht, das Kolpingwerk zu zerschlagen, weil sie an ihren eigenen Gesetzen, die Religionsfreiheit vorsahen, nicht vorbeikam. Dennoch lässt sich nicht verschweigen, dass das Kolpingwerk durch die staatlichen Unterdrückungen langfristig geschwächt wurde und auch heute hier besonders stark an Mitgliedermangel und zu hohem Altersdurchschnitt leidet.