Dikolinokolping KolpingbannerkolpingJahresprogramm

kolpingkolpingkolpingkolpingkolping
Über uns Vor Ort Bilder Projekte Geschichte Startseite Andere Websites

Das 19. Jahrhundert - eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs

Das 19. Jahrhundert: Deutschland im Wandel

Das 19. Jahrhundert war eine Zeit des Wandels: Die Gesellschaft war im Umbruch. Noch bis 1813 war Deutschland von Frankreich besetzt. Diese Besatzung (1805-1813) hatte starke Spuren der Zerstörung zurückgelassen. Napoleon hatte seine Truppe von dem besiegtem Land ernähren lassen, so dass viele Menschen in Deutschland mittel- und heimatlos wurden. Nach Napoleons Vertreibung gab es in Deutschland rund 30 Staaten. Wenige Privilegierte sicherten sich durch riesige Besitztümer politisches Mitspracherecht. Die breite Masse des Volkers allerdings hatte nach wie vor kaum Mitbestimmungsrechte. Der Gedanke dieser Jahrzehnte war "Freiheit". Dieser Gedanke setzte sich, ausgelöst von der französischen Revolution, Stück für Stück durch. Daher schlugen Versuche, die absolutistische Herrschaft wiederherzustellen, fehl und wurden durch diktaturähnliche parlamentarische Monarchien ersetzt. So kam es im Vormärz zu einer aufgeladene Stimmung in Politik und Gesellschaft. Auch die Kriege unter Bismarck (1864, 1866 und 1870-1871) trugen zu einer unsicheren gesellschaftlichen Situation in dieser Zeit bei. Dennoch lag der Hauptgrund des gesellschaftlichen Umbruchs in der Industrialisierung der Neuzeit. Das Handwerk wurde vernachlässigt, die menschliche Arbeit wurde von Maschinen übernommen. Es kam zur Massenarbeitslosigkeit. Tausende Menschen verloren ihr letztes bisschen Hab und Gut. Unruhen waren vorprogrammiert (deutsch Revolution). Die Menschen zogen in die Ballungsgebiete, um dort in Fabriken arbeiten zu können. Sie kamen durch den Verlust des Zunftwesens und der Marktgenossenschaften mit den negativen Auswirkungen der Markwirtschaft in Berührung. Mit der Industrialisierung kam es zur Loslösung von sozialen Bindungen und politischer Herrschaft. Die Gesellschaft war optimistisch, alle Probleme alleine lösen zu können. Man glaubte, dass der Mensch zu allem fähig wäre und man keine Hilfe von Gott brauche. Es kam zur Kampfansage gegen die Kirche sowohl durch Bismarcks Kulturkampf als auch durch die Kommunisten mit der Einstellung: "Religion ist Opium für das Volk" . Diese wirtschaftlichen, sozialen, politischen und geistigen Umbrüche bestimmten die erste Hälfe des 19. Jahrhunderts. Die Lösung der "sozialen Frage" war die Hauptaufgabe der damaligen Zeit.

Zünfte: ein wichtiger Rückhalt entfällt

Lange Zeit waren die Zünfte der Rückhalt der Handwerker gewesen. Die Zünfte bildeten ein soziales, ökonomisches und religiöses System zur Regelung von Rohstofflieferungen, Beschäftigungszahlen, Löhnen, Preisen, Absatzmengen bis hin zur Versorgung von Lehrlingen, Gesellen, Witwen und Waisen. Zünfte umfassten mitunter mehrere Berufsgruppen. Äußeres Zeichen waren nach mittelalterlicher Tradition je nach Zunftordnung Wappen, Zunftzeichen und Zunftkleidung. In der Industrialisierung verloren sie nun an Bedeutung und lösten sich auf. So entstand ein hoher Druck auf die Handwerker der damaligen Zeit. Waren konnten von außerhalb eingeführt werden. Die Regulierung des Marktes, welche die Arbeit erleichterte (abgeschwächte Form der Planwirtschaft), verschwand. Massenanfertigungen löste die Herstellung auf Bestellung ab. Erstmals in der Geschichte kann man von freier Marktwirtschaft reden. Mit diesem neuen Modell konnte die Mehrheit der Menschen nicht mithalten. Dem nun einsetzenden Wirtschaftsliberalismus, welcher auf den Ideen von Adam Smith beruhte, hatten die Zünfte nichts mehr entgegen zu setzen.

Bilder

Das Leben der Arbeiter in der damaligen Zeit

"Die Arbeit der Proletarier hat durch die Ausdehnung der Maschinerie und die Teilung der Arbeit allen selbständigen Charakter und damit allen Reiz für den Arbeiter verloren." Diese Aussage stammt von Karls Marx und stellte ziemlich genau die Situation der Arbeiter von damals dar. Durch die Maschinen, welche zu jener Zeit gebaut wurden, gab es riesige Entwicklungssprünge auf dem Arbeitsmarkt. Massenprodukte wurden in großen Fabriken hergestellt. Statt die Muskelkraft und die Geschicklichkeit der Arbeiter wurden nun verstärkt Maschinen eingesetzt. Es kam zur Massenarbeitslosigkeit, welche noch dadurch verstärkt wurde, dass durch Fortschritte in der Landwirtschaft viele Menschen auf dem Land arbeitslos wurden und es zu einer Landflucht kam. Die verbleibenden Fabrikarbeiter mussten sich mit Niedriglöhnen zufrieden geben, da es schließlich genug arbeitsuchende Menschen gab. Soziale Absicherungen waren unbekannt und eine Verletzung konnte das Aus für die Zukunft eines Menschen bedeuten. Selbst die Menschen, die Arbeit hatten (Handwerksgesellen und Fabrikarbeiter gleichermaßen), lebten mit sozialen Missständen. Während sie früher bei den Familien ihrer Meister wohnten, mussten sie sich nun meist selbstständig um Unterkunft und Verpflegung kümmern. Oft wohnten sie in Wirtshäusern oder in riesigen Wohnanlagen. Die Handwerker begannen sozial zu vereinsamen. Weit weg von der Heimat waren Sie meist auf sich allein gestellt. Wirkliche familiäre Atmosphäre, wie es sie früher bei ihren Meistern gab, wo sie quasi mit Familienanschluss lebten, gab es nicht mehr.